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Reichstädter und Rebellen Gottes- Sommerfahrt des Wetzlarer Geschichtevereins nach Mühlhausen in Thüringen
Altehrwürdige, meist gotische Kirchen, winklige Gassen mit zum Teil mittelalterlichen Häusern, ein Rathaus mit über 500 Jahre alten Wandmalereien, eine fast komplett erhaltene Stadtmauer mit Wehrgang und viele gemütliche Kaffees und Restaurants- Mühlhausen in Thüringen ist immer eine Reise wert. Erst recht für Geschichts- und Kunstinteressierte, da es sich hier den Spuren bedeutender historischer Persönlichkeiten folgen lässt. Allen voran Johann Sebastian Bach und der Reformator Thomas Müntzer. Mühlhausen bietet aber auch zahlreiche Zeugnisse des Wirkens des Deutschen Ritterordens und des Lebens in einer mittelalterlichen Reichstadt, die beinahe anstatt Wetzlar Sitz des Reichskammergerichtes geworden wäre. Grund genug für den Wetzlarer Geschichtsverein unter der Leitung von Dr. phil. Birgitta Meinhardt und Gisela Dickopp dorthin am 20.6.2010 eine Exkursion anzubieten, die mit 48 Teilnehmern regen Zuspruch fand. Bach wirkte hier als Organist und Kantor 1707 -08 an der „Divi- Blasii- Kirche. Thomas Müntzer (1489-1525) war Pfarrer und schloss sich 1517 den Forderungen Luthers nach einer Erneuerung der Kirche an. Da Müntzer als Gemeindepfarrer etwa in Zwickau, Allstedt und Mühlhausen das Elend vieler seiner Gemeindemitglieder kennengelernt hatte, beließ er es nicht nur bei dem Wunsch nach einer geistigen Erneuerung. Seine Apelle an die Fürsten, sich als christliche Herrscher um ihre Untertanen zu kümmern statt sie auszubeuten, blieben nicht nur ungehört, sondern kosteten Ihn mehr als einmal die Pfarrstelle und brachte ihm letztlich die Gegnerschaft Martin Luthers ein.. Früher als Luther führte er den deutschsprachigen Gottesdienst ein und heiratete trotz seines Priesteramtes eine ehmalige Nonne, Ottilie von Gersen. Als sich die Beschwerden der Bauern auch in Thüringen zu bewaffneten Protesten ausweiteten, stellte sich Müntzer auf ihre Seite. Er war aber niemals ihr militärischer Anführer, sondern mehr ihr Seelsorger. So begleitete er im Mai 1525 einen Trupp Bewaffneter von Mühlhausen zum Heer aufständischer Bauern nach Frankenhausen. Als Landsknechte hessischer, sächsischer, braunschweigischer Fürsten, sowie der Grafen von Mansfeld den Aufstand niederschossen, bedeutete dies auch Müntzers Ende: am Mai 1525 wurde er als Rebell hingerichtet. An diese Ereignisse und die Person Thomas Müntzers erinnern viele Orte in Mühlhausen, so seine letzte Pfarrkirche St. Marien, das Pfarrhaus, das Rathaus und die Gedenkstädte Deutscher Bauernkrieg.. Nach einer Stadtführung durch Ute Helbing (Mühlhausen) und Dr.phil. Birgitta Meinhardt (Gießen- Wetzlar) wurden auch diese Orte mit Hilfe der beiden sachkundigen Leiterinnen besichtigt. Nach einem gelungenen Tag konnten die Exkursionsteilnehmer zahlreiche Eindrücke mit nach Hause nehmen. Der Wetzlarer Geschichtsverein organisiert nicht nur Exkursionen, sondern bietet auch Vorträge sowie Führungen durch Stadt und Museen Wetzlars an.
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